Der Poplitea Jet

Im Dezember 2017 bin ich beim Schreiben meines Venenbuches im Kapitel über die Rolle der Faszien als Pump-Mechanismus des Beinvenensystems auf ein bisher noch nicht beschriebenes natürliches Geschehen in der Kniekehle gestoßen. Die Fachzeitschrift Vasomed wird meine Erstbeschreibung veröffentlichen.

Hier schon einmal eine Zusammenfassung des physiologischen Prozesses für Mediziner :

Beim Laufen und Gehen und besonders im Hochleistungssport werden die Knie ventral und dorsal in der Schwebephase gestreckt.
Die wulstigen Pole der Kondylen verursachen in der Kniegelenkstreckung eine Vorwölbung der Gelenkkapsel und spannen das Ligamentum popliteum obliquum in das Spatium popliteum. Somit tritt der Boden der Fossa poplitea in der Sagittalebene nach dorsal gegen das widergelagerte fest gespannte und harte Dach der Fossa poplitea , die Fascia lata. Die Folge ist, dass der Fettkörper der Kniekehle mit allen anderen Strukturen im Spacium popliteum einen kräftigen, physiologischen Druckanstieg erfährt.
Die konsekutive Lumeneinengung der Vena poplitea ist eindrucksvoll und die Strömungsbeschleunigung beachtlich. Es entsteht der Poplitea-Jet.

Die Schemata verdeutlichen das Geschehen:

Beugungsdekompression

Beugungsdekompression

Bei der Beugung des Knies wird der Raum in der Kniekehle weit.
Streckungskompression

Streckungskompression

In der Streckphase wird der Raum in der Kniekehle kräftig komprimiert. Wie bei der Kontraktion des Herzens wird die Vena poplitea kräftig zusammengedrückt und es entsteht dabei ein venöser Strömungsschub nach oben.

Im folgenden Cine Loop kann man sehr gut die Aktion des “Kniekehlen Herzens “ betrachten. Das ist der Poplitea Jet:

In der Überstreckung des Kniegelenks wird die Kniekehlenvene fast komplett komprimiert und es entsteht eine enorme Strömungsbeschleunigung ähnlich dem Phänomen das beim Zusammendrücken eines Gartenschlauchs entsteht und das Wasser heraus spritzen lässt.

Es gilt die Gleichung:

stärkere Streckung = kräftigere Kompression = größere Strömungsbeschleunigung.

oder:

Die Stärke des Poplitea Jets ist abhängig vom Grad der Überstreckung im Kniegelenk.

Wie kräftig und wie bedeutsam der Poplitea Jet ​oder das venöse Kniekehlen-Herz ist, kann man anhand des unten laufenden Cine Loops nachvollziehen.

Der Patient steht ruhig auf beiden Beinen. Der Schallkopf ist längs auf den Verlauf der äußeren Beckenvene eingestellt. Links kann man Darmbewegungen erkennen. Der stehende Patient drückt (2 Mal pro Zyklus) nur kurz das Kniegelenk nach hinten durch. Jedes Mal kommt es sofort zu einer rasanten venösen Strömungsbeschleunigung in der Beckenvene.
Und das entgegen der Schwerkraft bei minimalem Bewegungsumfang in der Kniekehle!

Ein 5 bis 10 Grad federndes Durchstrecken der Knie beim ansonsten ruhig stehenden Probanden entwickelt einen Druck der selbst in der Vena cava inferior wie eine Pulswelle als Aufdehnung und Strömungsbeschleunigung zu messen ist. Die Intensität ist ähnlich der Strömungsbeschleunigung beim Übergang in den Zehenstand.